Gasthof ´Zur Linde´- Bäckerei Robbers. Im Wandel der Zeiten


1876

Der älteste bis heute im Familienbesitz befindliche Nachweis bzgl. des Firmengründungsjahres ist eine Urkunde aus dem Jahre 1876.

Am 27. September 1876 erhielt Hermann Többen, geb. 1846 zu Tinnen von der damaligen preußischen Administration die Erlaubnis, in seiner Wohnung eine “.. Kaffee-, Wein- und Bierschenke .. “ einzurichten.

Der damalige Firmensitz beschränkte sich bis zur Jahrhundertwende auf ein Gebäude, in dem sich die privaten, gewerblichen und landwirtschaftlich genutzten Räume allesamt unter einem Dach befanden.

Hermann Többen war verheiratet mit Gesina Többen, geb. Behrends. Nach dem Tode ihres Ehemanns im Jahr 1884 heiratete Gesina Behrends erneut im Jahre 1895 den Bäckermeister Hermann Nieters aus Klein Berßen.


1910

1910 stellte Hermann Nieters beim Königlichen Gewerbeinspektor zu Aschendorf den Antrag, den Betrieb um einen “Versammlungsraum” erweitern zu dürfen.

Dem Antrag wurde u.a. mit Zustimmung des Gemeindevertreters stattgegeben, und so wurde das vorhandene Gebäude im Grundriß: 11,60 m * 7,60 m, (teilweise unterkellert) erweitert.

Dieser neu angebaute Raum wurde in den nachfolgenden Jahren als Versammlungsraum, Tanzsaal und nicht zuletzt als Mehllager genutzt.


Da das Platzangebot in diesem Raum nur sehr begrenzt war, konnte immer nur ein Teil der Festgäste dem Tanzvergnügen nachkommen, so dass nach einer gewissen Zeit die Tanzenden aufgefordert wurden, den Saal zu verlassen, damit auch die draußen vor der Tür Wartenden eine Gelegenheit zum Tanz bekamen.

Im übrigen war Bäckermeister Hermann Nieters für seinen schmackhaften Honigkuchen über die Dorfgrenzen bekannt. Mit Pferd und Wagen fuhr er von Dorf zu Dorf zu den dortigen Festen, indem er dann seinen “Honnig-kauken” anbot.

Die Ehe der beiden blieb kinderlos. Nach dem Tode seiner Frau im Jahre 1914 übertrug Hermann Nieters 1921 die Verantwortung für den Betrieb auf seine Nichte Theresia Nieters. Sie stammte aus Bokeloh.


Theresia Nieters heiratete später den gelernten Bäcker Bernhard Robbers aus Sögel


Die Abbildung rechts zeigt Theresia Robbers am Zapfhahn in dem neueingerichteten Schankraum. Sie war durch ihr freundliches und großzügiges Wesen bei den Kunden sehr populär und weit über die Dorfgrenzen als “Bäckers Thresken” hinaus bekannt geworden.


1933

Im Jahre 1933 baute Bernhard Robbers die Wohnund Geschäftsräume in größerem Umfange aus. Das alte Gebäude wich einem größeren neuen Komplex, der in seiner Grundform noch heute besteht.

Ausführende Firma war das Bauunternehmen Heinrich Kremer aus Tinnen.


Die Dorf-Bäckerei wurde in einem eigenen Anbau untergebracht. U.a. wurde auch ein neuer Stein- Backofen gebaut, in dem damals - wie noch heute - unser Schwarzbrot nach einem hauseigenen Rezept gebacken wird.


Die Gastwirtschaft, die bis dahin nur aus einem Gastzimmer bestand, wurde um einen zusätzlichen Schankraum und eine Gaststube erweitert.


Die 60er Jahre

In den 60er Jahren wurde das Lebensmittelgeschäft in seiner Grundfläche und um neue Lagerräume erweitert. Ferner wurde die Fassade des Geschäftshauses durch eine Schaufensterfront zur besseren Präsentation der Waren modernisiert (siehe Abb. links), gleichzeitig wurde die Ladeneinrichtung für die Selbstbedienung der Kunden umgestellt. Die Umbau- und Erweiterungsarbeiten führte das Bauunternehmen Hans Vehring aus Emmeln durch.


Die Abbildung rechts zeigt eine Rechnung, die Bernhard Robbers im Jahre 1964 ausstellte. Es ist eine Auflistung all der Getränke, Speisen und Backwaren, die er anläßlich einer Grünen Hochzeit auslieferte bzw. die in der Gaststätte verzehrt wurden. Der Rechnung ist zu entnehmen, dass beinahe 100 Fl. Korn (4,80 DM/Fl.), knapp 270 ltr. Bier (1,60 DM/ltr.) getrunken wurden. Das Brötchen kostete damals 0,10 DM und eine Holländer Kirsch Torte 15.- DM.

Bernhard und Theresia Robbers hatten eine Tochter, Magarethe Robbers, die aber nach einer schweren Lungenentzündung schon als Kind verstarb. Die weiteren Jahre ihrer Ehe blieben kinderlos, so dass es keine direkten Erben gab. Um den Fortgang des Betriebes dennoch zu sichern, berief Bernhard Robbers seinen Neffen Hermann Robbers aus Sögel zu sich in den Betrieb und übertrug ihm in den späteren Jahren den Betrieb.

Theresia Robbers verstarb 1960, Bernhard Robbers im Jahre 1973 im Alter von 81 Jahren.


Ende der 60er Jahre


Ende der 60er Jahre entschloß man sich zum Abriss des alten, stark baufälligen Saals und zum Bau einer neuen, modernen Gaststätte (s. Abb. rechts). So entstand 1969 ein doppelstöckiges Gebäude mit einem geräumigen Schankraum, einem Gastzimmer für ca. 20-25 Gäste und einem Gastraum für ca. 60 Gäste. Im Obergeschoß waren 6 Doppelzimmer eingerichtet, die mit kalt/warmen Wasser ausgestattet waren. Die sanitären Anlagen waren auf gleicher Ebene vorhanden. Die Bauarbeiten führte das Bauunternehmen Hans Vehring (Emmeln) durch.

Leider bereitete das Schicksal dem privaten Glück der Familie (nach vielen kinderlosen Jahren stellte sich wieder ein Kindersegen ein) und dem geschäftlichen Aufschwung Ende der 60er Jahre jäh ein Ende.

Im Mai 1969 verstarb Thekla Robbers infolge einer schweren Krankheit.


Die 70er und 80er Jahre - Ein Neuanfang


Die neunziger Jahre

Leider ereilte der Familie Robbers Mitte der 90er Jahre erneut ein schwerer Schicksalsschlag, der jedes einzelne Familienmitglied, aber auch die vielen Freunde und Bekannten des Hauses völlig unvorbereitet hart traf:
Am 24. Juli 1996 verstarb Hermann Robbers plötzlich und unerwartet an den Folgen eines Herzinfarktes.

Wiederum mußten innerhalb der Familie grundsätzliche Entscheidungen bzgl. des Betriebes getroffen werden. Die Familie entschied sich für die Weiterführung des Betriebes.

Diese Entscheidung war aber gleichzeitig auch ein Ansporn für notwendig gewordene, umfangreiche Renovierungs- und Erweiterungsinvestitionen.

Unabdingbar waren zunächst Investitionen in die häusliche Infrastruktur. Im Jahre 1997 wurde mit dem Bau neuer, behindertengerechter sanitärer Anlagen und einer gewerblichen Küche begonnen. Damit einher gingen Neuanschaffungen von Küchengeräten, Porzellan, Besteck und Ausrüstungen für den Außer-Haus-Service. Die baulichen Maßnahmen waren 1998 größtenteils abgeschlossen. Weiterhin wurde 1998 das Lebensmittelgeschäft in seinem Sortiment stark gestrafft und auf ein Kernsortiment zur Grundversorgung der Kunden reduziert. Bei der räumlichen Neugestaltung des Geschäftes sollte in erster Linie die Präsentation der eigenen Backwaren im Mittelpunkt stehen (Prinzip Back-Shop).


Im Juli 1999 wurde schließlich mit den Erd- und Rodungsarbeiten für einen Saalneubau mit eigener Terrasse begonnen.

Der Konzeption des Gebäudes lag dabei der Gedanke zugrunde, ein zum Dorfkern passendes, vielseitig nutzbares Gebäude und mit einem nach Möglichkeit zeitlos ansprechendem Ambiente im Inneren zu schaffen. Mit der baulichen Umsetzung wurde erneut die Firma Vehring (Emmeln) beauftragt.
Wie der Gast heute sehen kann, erinnert die äußerliche Gestaltung mit ihren z. B. schmalen Sprossenfenstern und den Sandsteinfensterbänken an die alte, dorftypische Bauweise.
Bei der Gestaltung der Saalinneneinrichtung wurde viel Holz in gelauchter Form verarbeitet, so dass eine rustikale, aber auch gemütliche Atmosphäre entstanden ist.

Der neue Saal kann durch eine breite, schallisolierte Trennwand auch mit dem schon vorhandenen, kleineren Saal verbunden werden.
Heute wird der Saal als solches bzw. über die Verbindung zum alten Gebäude für Festlichkeiten aller Art im kleinen oder größeren Rahmen genutzt.